Beim Helfen helfen: Künstliche Intelligenz in der Jugendhilfe

Sozialarbeiter unterstützen. Jugendhilfe ist mit anspruchsvollen und täglich fordernden Aufgaben verbunden. Jeder Fall ist einzigartig und erfordert Flexibilität, wodurch die Arbeitsprozesse nicht so präzise strukturiert sein können. Damit Sozialarbeiter aus vergangenen Fällen lernen und sich noch mehr auf ihre Kerntätigkeiten konzentrieren können, soll KI helfen, Strukturen und Muster in den scheinbar unstrukturierten Prozessen zu finden.

Texte als Datengrundlage. In der Jugendhilfe werden alle Fälle in Textform dokumentiert. Diese Texte sind die wesentliche Datengrundlage für den Einsatz von KI-Verfahren. Allerdings sind einige Schritte in der Datenvorbereitung notwendig. Um beispielsweise Natural Language Processing ausführen zu können, kann es notwendig sein, zuvor negativ und positiv besetzte Wörter festzulegen. Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass jedes Fachgebiert, so auch die Jugendhilfe, ein eigenes Vokabular nutzt.

Muster erkennen. Durch Textanalysen können Modelle aus den Berichten der Sozialarbeiter abgeleitet werden, die einen Einblick in Ist-Prozesse erlauben. Diese können mit Soll-Prozessen abgeglichen oder im Hinblick auf kritische Momente untersucht werden. Es können Hinweise gefunden werden, wann Fälle einen positiven oder negativen Verlauf nehmen. Dies erlaubt es z.B., in zukünftigen Fällen rechtzeitig gegenzusteuern.

Kompetenzen im Bereich der künstlichen Intelligenz und Data Science

  • Natural Language Processing über Falldokumentationen
  • Prozessanalyse auf Basis von Tätigkeitsberichten (Texte) und/oder Datenspuren aus der Unternehmens-IT
  • Kommunikationsanalyse

Dr. Birger Lantow

Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik, Universität Rostock

Ausgewählte Projekte

SensAssist2Sens — Textanalyse von Falldokumentationen

Seit mehreren Jahren arbeitet der Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik der Universität Rostock mit der Gesellschaft für Bildung, Erziehung und Gesundheit mbH (GeBEG) zusammen. In stetigem Austausch wird an verschiedenen Projekten zur Unterstützung der Jugendhilfe gearbeitet. Dabei werden verschiedene Ansätze aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz eingesetzt. So werden auf Basis von Fallberichten oder Gesprächsverläufen durch Natural Language Processing die Kernthemen der Beratungen, aber auch Muster in Fallverläufen und Sozialbeziehungen abgeleitet. Ein weiteres Teilprojekt widmet sich der Belastung der Sozialarbeiter. Es wird untersucht, ob durch Analyse des Schreibverhaltens (Keystroke-Analyse) Emotionen oder Agitation der Mitarbeiter ermittelt werden kann.